Keine Panik vor der Hüftbeugeschiene

Als bei der im Rahmen der U3 obligatorischen Hüft-Sonografie bei unserer Kleinen die Diagnose „leichtes Erkerdefizit“ der Hüfte gestellt wurde, war ich nicht übermäßig besorgt. Wer Kinder hat, weiß ja, dass irgendwie dauernd was ist. Die Behandlung hieß „breit wickeln und viel tragen“ und Kontrolle nach 4 Wochen. Ich war optimistisch, dass sich das Thema dann erledigt haben würde. Schließlich hat bei uns in der Familie niemand Probleme mit der Hüfte.

Hüftscreening bei der U3 wahrnehmen

Bei etwa 5% aller Neugeborenen wird eine Hüftreifungsstörung („Dysplasie“) festgestellt. Dies wird bei einer Ultraschall-Untersuchung ermittelt. Es wird geprüft, ob die Hüftgelenkspfanne genügend ausgeformt ist und dem Kopf des Oberschenkelknochens ausreichend Halt bietet. Ich fand den folgenden Link hilfreich, denn – mal ganz ehrlich – obwohl Dr. Google immer ein schlechter Ratgeber ist, wer googelt nicht die Winkel-Werte, die ins Untersuchungsheft eingetragen wurden? Diese Typeneinteilung wird bei der Hüftultraschalluntersuchung vorgenommen:

http://www.kinderhueftdysplasie.de/?Typeneinteilung

Wird eine Dysplasie nicht behandelt, drohen im schlimmsten Fall lebenslange Hüft- und Rückenschmerzen, starkes Hinken, Arthrose und sogar ein künstliches Hüftgelenk. Daher ist es so wichtig, das Hüftscreening bei der U3 wahrzunehmen.

Die Hüftbeugeschiene

Als der Arzt bei unserer Kleinen beim nächsten Termin nach 4 Wochen feststellte, dass sich die Werte verschlechtert statt verbessert hatten, was extrem selten ist, waren wir natürlich in großer Sorge. Wir mussten zur Kontrolle in die Uniklinik, wo der Kleinen sofort eine Hüftbeugeschiene verordnet wurde.

Die Hüftbeugeschiene besteht aus einer breitenverstellbaren Beinschiene, die die Beine auseinander hält, und die mit einem Schultergurt verbunden ist, die die Beine in die starken Beugestellung bringt. In dieser sogenannten „Hocksitzstellung“ (welche das Baby auch im Mutterleib oder beispielsweise im Tragetuch einnimmt) wird die Hüftpfanne vom Druck des Hüftkopfes entlastet, so dass das Pfannendach nachreifen kann.

(K)ein Leidensweg…

Ich war so geschockt von der Verschlechterung der Werte, dass ich die Hüftschiene in der kommenden Zeit wirklich überkorrekt angewandt habe, d.h. ununterbrochen 24 Stunden, und sie nur zum Wickeln abgenommen habe. Und das war auch gut so. Denn beim nächsten Kontrolltermin wurde bereits eine leichte Verbesserung festgestellt. Wir gingen daraufhin jeden Monat zur Kontrolle, bis die Werte endlich so gut waren, dass die Schiene nur noch Nachts – und bald gar nicht mehr – getragen werden musste. Wir gingen noch einmal zur Endkontrolle in die Uniklinik, wo ebenfalls grünes Licht gegeben wurde. Die Schiene konnte weg.

Auch wenn es zeitweise schwierig war, ist die Zeit mit der Hüftbeugeschiene doch letztlich gut zu überstehen. Ich habe ein paar Tipps zum Einsatz der Hüftbeugeschiene zusammengetragen.

5 Tipps zur Anwendung der Hüftbeugeschiene

1. Konsequent tragen!

Wenn Deinem Baby die Schiene verordnet worden ist, dann lege sie konsequent an. Das heißt: 24 Stunden, 7 Tage die Woche. Nicht schwach werden! Die Schiene wird nur beim Wickeln und Baden abgelegt. Nur dann kann die Hüfte wirklich nachreifen. Im Grunde kann man auch alles mit der Schiene machen: Das Baby kann im Kinderwagen liegen, im Autositz transportiert werden und natürlich auch gestillt werden.

2. Früher ist besser!

Je früher die Therapie beginnt, desto schneller kann das Defizit ausheilen. In den ersten Lebensmonaten wachsen die Gelenke besonders stark und sind dadurch noch leicht beeinflussbar. Außerdem entwickelt sich mit der Zeit auch zunehmend der Willen und das Selbstbewusstsein der Kleinen. Ein Neugeborenes mit zwei bis drei Monaten lässt sich die Hüftbeugeschiene noch eher „gefallen“ als ein agiles, wacher werdendes Baby mit sechs Monaten.

3. Nie auf die nackte Haut!

Schultergurt und Schiene können auf der Haut reiben, daher sollte die Schiene immer nur auf Kleidung getragen werden.

4. Die Größe der Schiene regelmäßig vom Arzt kontrollieren lassen!

Babys wachsen schnell und können daher auch aus der einmal korrekt angepassten Schiene „herauswachsen“. Die Schiene muss dann vom Arzt kontrolliert und angepasst werden.

5. Optimistisch bleiben!

Anfangs fand ich die Schiene einfach nur SCHRECKLICH. Mein Kind in dieses Gestell zu zwängen, größtenteils unter Protestgeschrei und Wehren mit Händen und Füßen, es war Folter für mich. Ich habe manchmal selbst dabei geweint. Und während andere Babys fröhlich strampeln konnten, lag mein kleiner Schatz wie ein kleiner, unbeweglicher Käfer auf dem Rücken und machte…nix.

Und dann sagte mein Mann eines Tages: „Wenn Du ihr die Schiene anlegst, machst Du ein Gesicht, als würde die Welt zusammenbrechen. Das sieht die Kleine doch auch!“ Das brachte mich zum Umdenken. Wenn meine eigene Einstellung zur Schiene so negativ war, dann spürte das doch auch meine Tochter. Babys bekommen doch wirklich alles mit! Also habe ich versucht, die Anwendung der Schiene positiver zu sehen. Anstatt beim Anlegen der Schiene unter Tränen „Es-tut-mir-so-leid-es-tut-mir-so-leid“ zu murmeln, habe ich gespielt fröhlich gebrabbelt: „So, wir legen jetzt deinen schicken Baby-Rucksack an“ oder „Jetzt kommt dein kleiner Baby-Fallschirm, den hast nur du, wie toll ist das denn? Dein Bruder hätte auch gerne so einen.“ Und siehe da, die Kleine hörte beim Anlegen auf zu weinen und zu protestieren. Und das machte es mir wiederum leichter.

Was mir auch geholfen hat: Ich habe mir immer wieder vor Augen geführt, dass die Hüftdysplasie ein Zustand ist, der gut – und zwar zu quasi 100% erfolgreich – behandelt werden kann. Es gibt natürlich viel, viel schlimmere Erkrankungen!

Also: Auch wenn Du Dir große Sorgen um Dein Baby machst, bleib‘ positiv. Die Zeit mit der Schiene geht schneller vorbei als Du denkst und dann hast du – wenn du sie konsequent anwendest – ein Kind mit einer gesunden Hüfte.

Du schafft das!

Ich freue mich auf Eure Kommentare und Erfahrungen.

Eure Nadine xx

P.S. Dieser Beitrag wurde mit größtmöglicher Sorgfalt erstellt. Ich bin aber kein Arzt und der Beitrag ersetzt keinesfalls die fachliche Beratung durch einen Arzt.

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2 Kommentare bei „Keine Panik vor der Hüftbeugeschiene“

  1. Danke für deinen Text! Haben die Schiene seit heute, laut Ärztin macht den Babys die Schiene nichts aus. Es wären eher die Mütter, die drunter leiden und so ist es. Finde mich total wieder, hab auch fast geweint beim Anziehen und mich tausend mal entschuldigt weil die Kleine gebrüllt hat wie sonst was. Da musste ich bei deinen positiven Formulierungen echt schmunzeln und werde das jetzt versuchen! Bin gespannt ob man beim nächsten Termin schon eine Besserung sieht.

    1. Vielen Dank für Deinen Kommentar! Ich hoffe, es läuft gut und wird schnell besser. Es geht wirklich schneller vorbei, als Du denkst. Du schaffst das! 😉

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